Das Museum Piaśnickie in Wejherowo wurde im Jahr 2015 gegründet. Kurz darauf begannen die konzeptionellen Arbeiten für die Dauerausstellung des Museums, die 2023 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. In Ausstellungsaal Nr. P8, der den Opfern des NS- Verbrechens gewidmet ist, werden auf einem Touchscreen die Namen von 871 Menschen angezeigt, die im Wald von Piaśnica ermordet wurden. Die AutorInnen der inhaltlichen Gestaltung der Dauerausstellung waren die damaligen MitarbeiterInnen des Museums: Dr. Monika Tomkiewicz, Dr. Grzegorz Bębnik, Dr. Bogusław Breza, Dr. Marcin Szerle sowie die beiden Gutachter Prof. Bogdan Chrzanowski und Dr. Piotr Niwiński.
Seit 2011 führt das Institut für Nationales Gedenken in Gdańsk / Danzig (IPN) – Abteilung für die Verfolgung von Verbrechen gegen das polnische Volk in Gdańsk – eine Untersuchung zu den Massenmorden an polnischen BürgerInnen durch, die im Herbst 1939 in Piaśnica bei Wejherowo begangen wurden. Wir gehen davon aus, dass die Ermittlungen zu einer möglichst zuverlässigen Anzahl der im Wald von Piaśnica ermordeten Personen und zu einer möglichst vollständigen Identifizierung der Opfer führen werden: EinwohnerInnen von Pommerellen, PatientInnen deutscher und polnischer psychiatrischer Kliniken sowie Passagiere von Transporten aus dem Dritten Reich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der polnischen Öffentlichkeit eine Opferzahl genannt, die nicht auf Fakten beruhte, aber bis heute verbreitet ist: „12-14 Tausend Polen”. Die Bemühungen der ersten Forscherin der NS-Verbrechen von Piaśnica, Dr. Barbara Bojarska, diese Zahl auf etwa 2.000 polnische Opfer zu korrigieren, stießen auf den Widerstand der Zensur der Volksrepublik Polen und die Blockade der Veröffentlichung ihrer Monografie. Im Rahmen der derzeitigen Ermittlungen des IPN konnten bisher etwa 1300 Namen von Opfern aus dem Gebiet des Dritten Reiches (hauptsächlich aus Anstalten für psychisch Kranke) und etwa 1200 Namen von Polen aus Pommerellen, die in den Wäldern von Piaśnica erschossen wurden, ermittelt werden. Diese Liste wird aufgrund des laufenden Verfahrens weiterhin nicht veröffentlicht. Umso mehr wird die Öffnung der Staatsanwaltschaftsakten und die Veröffentlichung einer neuen, aktuellen Monografie über die NS-Verbrechen von Piaśnica mit einer namentlichen Liste der Opfer erwartet.
Das Ausmaß der NS-Verbrechen von Piaśnica wird nicht durch Zahlen belegt, sondern durch die brutal beendeten Leben konkreter Menschen: Väter und Mütter, Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern. Infolge der rassistischen und nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gegen die Führungsschicht und Intelligenz des polnischen Volkes sowie der eugenischen Politik, die psychisch kranke Menschen aus der deutsch-nationalen Gesellschaft ausschloss, standen diese Menschen vor den im Wald ausgehobenen Massengräbern, wo ihr Leben durch einen schrecklichen Märtyrertod endete.
Ehre ihrem Andenken!
